Sonntag, 14. Oktober 2012

Auf dem Farmers-Market

Gestern besuchten wir den Farmers Market, der jeden Samstag mitten in Kathmandu abgehalten wird. Man kann dort alle möglichen Leckereien, wie zum Beispiel Käse, Volkornbrot, Kuchen und selbstgepresste Säfte finden. Interesse bei Christoph erweckte natürlich auch gleich der Wurststand und nur die europäischen Preise schreckten ihn doch ab sich eine Knacker zu kaufen. Jedoch muss man auch sagen, dass zu mehr als 90% nur Ausländer da waren und man sich deswegen mehr wie auf einem Ökomarkt als in Nepal vorkam. Es ist schon absturd zu sehen, welchen Luxus sich die Wessis hier gönnen,während sich die meisten Nepalis nur von Reis ernähren.
Auf den Fotos könnt ihr auch Lauras neues Haarwunder sehen - 50 Cent und so schauts auch aus. Der Friseur sollte eigentlich nur die Spitzen schneiden, hat aber dann büschelweise die Haar auf den Boden regnen lassen und wollte Laura entlassen, als die eine Seite noch ungefähr 5cm länger als die andere war. Die Korrektur musste dann heute Morgen Christoph, zur Unterhaltung aller Hostelkids, vornehmen. 






Donnerstag, 11. Oktober 2012

Boudha – ein Idyll im großen Moloch


Obwohl Lauras Immunsystem – zur Freude von Christoph – nun auch endlich mal Schwächen gezeigt hat brachen wir auf zu einem kleinen Ausflug nach Boudha. An diesem Ort steht einer der größten Stupas der Welt und drumherum leben viele Exiltibeter, die als sehr geschäftstüchtig gelten, weswegen ihr Viertel relativ wohlhabend ist. Sofort, als wir den Platz betraten, waren wir uns alle einig, dass dies eindeutig der schönste Platz ist, den wir bisher in Kathmandu gesehen haben. Vor allem die Ruhe und die Sauberkeit stellen einen krassen Kontrast zur restlichen Stadt dar. Wir waren ganz beeindruckt von diesem Fleckchen und haben es uns deswegen auf einer Bank inmitten von unzähligen Tauben gemütlich gemacht. Ganz besonders spannend und unterhaltsam war es den Pilgern, Touristen und Mönchen zuzusehen, wie sie ihre Runden um den Stupa drehten. So verging im Nu eine ganze Stunde und wir machten uns wieder auf um den Kiddies was beizubringen. Vielleicht hat die Aura dieses heiligen Ortes auch ein bisschen zur schnellen Genesung von Laura beigetragen, vielleicht war es aber auch der 100%ige ("viel zu teure" – Anmerkung Christoph) Rauch-Orangensaft aus Österreich.


heiliger Rastplatz für die von Gläubigen durchgefütterten heiligen Tauben

rießige Gebetsmühle um die die Menschen mit einer rasanten Geschwingkeit herumrennen

Blick von dem Stupa auf die Tauben und unsere Bank

Die Augen Buddhas bewachen von allen vier Seiten das Geschehen.

Samstag, 6. Oktober 2012

Unsere erste kleine Reise

In der letzten Zeit ist einiges passiert und wir hatten keine Zeit euch alles brühwarm hier zu berichten. Da hier alles – sagen wir mal – gemütlich angegangen wird und wir uns auch schon einigermaßen an die nepalesischen Verhältnisse angepasst haben, bekommt ihr erst jetzt das Update :)


Alles andere als gemütlich ging es bei einem hitzigen Basketballturnier zu. Unsere Senior-Jungs waren das erste Mal im Finale eines großen Wettkampfs. Von einer riesigen Horde Fans begleitet, zogen die Spieler mit ihren profillosen Stofflatschen zur Wettkampfstätte. Dort angekommen erwarteten die Mannschaft schon die ein- bis zwei Köpfe größeren Nike-besohlten Enemies. Mit dem Anpfiff heizten die „Himalayan-Ultras“ kräftig ein, was am Ende zu einem technischen Foul führte, weil ein Spiel bei dieser Lautstärke nicht mehr möglich war. Doch die Anfeuerungsrufe zeigten Wirkung. Obwohl das favorisierte gegnerische Team anfangs überlegen war, konnten die Himalayans wieder anschließen und mit jeder Minute, die verstrich wurde es spannender. Die Menge tobte und wurde mit einer Tanzeinlage in der Pause nur wenig besänftigt. Im letzten Viertel führte eine rasante Aufholjagd zur knappen Führung. Doch in der allerallerletzten Sekunde erzielten die Gegner einen Korb zum Endstand 49:48. Nach wenigen Minuten voller Bestürzung, schleppten die Jungs voller Freude und unter lautem Gegröle der Anhängerschaft den gigantischen Pokal nach Hause. 


rechts die Himalayan Seniors
 Ein paar Tage später fand ein großes Fest zu Ehren der Frauen statt – da kam Christoph das Kotzen. Das lag vielleicht am vortägigen Abendessen bei einer nepalesischen Familie, wo Christoph sich den Magen mit Milchreis und Fleisch vollschlug – vielleicht aber auch nicht. Die restlichen Mädels pilgerten fröhlich und munter alleine weiter zur großen Tempelanlage Pasputinath. Schon kilometerweit vor dem Tempel wurde gedrückt und geschoben um sich den besten Platz in der Schlage zu sichern, in der man dann fünf Stunden ausharren musste um einen kurzen Blick in den Tempel zu erhaschen. Ermüdet und ein bisschen genervt vom ganzen Trubel beschlossen wir auch gleich wieder den Heimweg anzutreten. Für uns war es unbegreiflich, wie die Unmengen an Frauen den ganzen Tag in der Sonne herumstehen konnten, ohne auch nur einen Bissen Essen oder einen Schluck zu sich zu nehmen. Am Haupttag des Festes war dies den Frauen nämlich verboten, da sie für das lange Leben ihrer Ehemänner fasten sollten, wohingegen die Männer ausgiebig essen dürfen. Auf dem Rückweg attackierte Laura ein kleiner aggressiver Tempelaffe und verfing sich in ihrem Sari, weil ihm Laura versehentlich in die Augen gestarrt hatte. 

zu Gast bei einer nepalesischen Familie

Frauenueberfuellte Strassen

Die nächste Woche erwies sich als die spannendste und abwechslungsreichste Woche, die wir hier in Nepal erlebt haben. Der Besuch eines Patenvaters stand an. Begrüßt wurde der Österreicher mit einem bunten Fest, bei dem die Kinder tanzten, sangen, Witze erzählten und Gedichte vortrugen – und vieeelen Oreo-Keksen. Noch am gleichen Tag halfen wir Franz seine beiden Patenkinder einzukleiden und sparten ihm so einige tausend Rupies, aufgrund unserer hier erlernten Feilschfähigkeiten. Einfach mit ein paar Nepali-Wörtern um sich schmeißen und schon bekommt man „good quality“ zum „local price“. 


das Gekreische der Maedels konnten wir leider nicht fotografieren ;)


Am nächsten Tag ging es dann via Jeep auf die große Reise. Unser erster Stop war in Bhaktapur, der schönst erhaltenen Newar-Stadt. Am besten an dieser kleinen Stadt, hat uns der Pottery-Square, wo handgemachte Töpferwaren zum Trocknen ausgelegt und auch hergestellt werden, gefallen, aber auch vom Flair und der Ruhe (da auto- und motorradfreie Zone) waren wir sehr angetan. Weiter gings nach Nargakot, wo wir die erste Nachtverbrachten. Dieses Örtchen, das auf einem Bergrücken liegt, schaffte es lediglich wegen ihres wunderschönen Panormablicks in die Reiseführer. Als wir ankamen sahen wir jedoch nichts außer Wolken und so verbrachten wir die restliche Zeit mit einem kleinen Tempelbesuch und Wizard spielen. 


Shrijana und Laura auf dem Durbar Square in Bhaktapur

ebenfalls in Bhaktapur

riesiger Tempel und winziger Christoph

Pottery-Square (hier kauften wir uebrigens fuer 15 ct unser erstes Souvenir ;))


Am nächsten Morgen sprangen wir dann ausnahmsweise mal früh aus den Federn und bestaunten um Punkt 5:15 Uhr bei Sonnenaufgang unseren ersten Blick auf den Himalaya. Die Berge waren unglaublich nah, aber der höchste unter ihnen den man eindeutig identifizieren konnte war nur 7200 und ein paar Zerquetschte. Überglücklich dass wir doch noch diesen atemberaubenden Blick auf die schneebedeckten Gipfel erhaschen konnten, fuhren wir auch schon weiter nach Changa Naryan.
In diesem kleinen Dörfchen, dessen Highlight ein alter Unesco-Newar-Tempel mit den angeblich schönsten Schnitzereien des Kathmandutals ist, trafen wir eine Schulklasse unserer Nachbarschule und einen Bekannten ehemaliger Freiwilliger, mit dem auch wir gleich Freundschaft schlossen. Ramesh zeigte uns auch sofort umsonst die Tempelanlage und erzählte uns sehr ausführlich zu jeder Statue eine Sage und führte und zu seinem Aussichtspunkt, von wo aus wir einen schönen Blick auf das versmogte  Kathmandu hatten. 


Die Berge beim Sonenaufgang

das idyllische Staedtchen Changa Narayan und gleichzeitig Heimat von Ramesh


Schnell wieder in den Jeep gesprungen und auf gings zu unserem nächsten Ziel, wo wir auch drei ganze Tage verbringen sollten. Der Weg zu unserem Domizil in Namo Buddha führte uns über einen Weg, der diesen Namen nicht wirklich verdient hatte. Jedoch waren wir erstaunt auf diesen holprigen Serpentinen einen ganz normaleren, 40 Jahre alten Reisebus zu sehen, bei dem die Passagiere sogar auf dem Dach reisten. Nun waren in unserem Resort, das mit viel Liebe und Engagement von Deutschen geführt wurde, drei Tage schlemmern angesagt. Das Essen wurde nämlich alles selbst auf dem hügeligen und weitläufigen Gelände angebaut und so zogen auch gleich die hauseigenen Büffel und Kühe unsere Aufmerksamkeit auf sich. Voller Vorfreude auf Fleisch und Büffelmomos begaben wir uns zum Abendessen. Dabei mussten wir dann leider erkennen, dass das Resort gänzlich vegetarische und noch dazu biologische Mahlzeiten servierte. Unsere anfängliche Enttäuschung verflog schnell, da der Koch wirklich ausgezeichnet sein Metier beherrschte und wir mit Köstlichkeiten versorgt wurden. So wurde das ein oder andere Mal auch nachbeordert und die Kinder von Christoph dazu angehalten, alles zu bestellen und ihm alles zuzuschieben. Beim Frühstück konnten wir jeden Morgen die Milch der Kühe und Büffel mit einem faszinierenden Blick auf die weisen Riesen schlürfen. Auch das Schwarzbrot mit selbstgemachter Marmelade war eine Delikatesse, die wir zum ersten Mal in Nepal zu Gesicht bekamen. Sonst müssen wir immer mit blankem Toast, Donuts oder Blätterteiggebäck Vorlieb nehmen. 



endlich angekommen in Namo Buddha

unsere kleine Huette im Resort

Christoph beim "Kinder-in-die-Luft-jumpen", seinem Lieblingshobby in diesen drei Tagen

Blick vom Fruehstueckstisch

Unser Ziel des nächsten Tagesausflugs war Namo Buddha, das das drittheiligste buddhistische Kloster ist. Zusammen mit den anderen einzigen Gästen, einem amerikanischen Ayurveda-Arzt, einer Engländerin und einem Niederländer, die hier für NGOs arbeiten, wanderten wir den Bergrücken entlang zum malerisch gelegenen Kloster. Dort angekommen war wir überrascht wir reich dieses war, und mit ihm seine Mönche. So zog ein junger Mönch unter seiner roten Kutte ein iPhone hervor und spielte die neuste Pop-Musik, als wir ein Foto von ihm machen wollten. Der Gebetsraum war prunkvoll und einfach atemberaubend geschmückt. Überall hingen kunterbunte Fahnen, vieles blitze in Gold und vom Altar grinste uns ein Bildnis der Dalai Lama an. 

prunkvolles Tor in Namo Buddha

Laura im bunten Fahnenmeer

frommer Christoph beim Gebetsmuehlen drehen


kleines, suesses und dreckiges Kind in Namo Buddha

Am nächsten Tag fuhren wir mit einem Jeep eine noch viel viel schlimmer Hügelpiste hinab ins Tal um das kleine Dorf Panauti zu besuchen. Durchgeschüttelt durch metertiefe Schlaglöcher und ungläubig, dass es der Allradjeep überhaupt geschafft hatte, tauchten wir ein in die mystische Atmosphäre dieses Ortes. So schlenderte wir stundenlang durch die Gassen und Gässchen dieses verschlafenen Fleckes und wir fühlten uns wie in einem anderen Zeitalter. An jeder Ecke entdeckten wir etwas Interessates und konnten sogar miterleben wie die Asche eines Verstorbenen im Fluss beerdigt wurde. Am letzten Abend genossen wir noch einmal das Abendessen mit unserer geselligen Runde, die jetzt um eine australische Familie erweitert wurde, und auch eine warme Dusche in unserer gemütlichen Hütte.
Obwohl wir die frische Luft schon beim Aufbruch vermissten, freuten wir uns schon wieder auf die Kinder, Lisa und Vicky, unser Zimmer und sogar ein bisschen auf unsere Kloschlauchdusche. 





Blick auf Panauti

an dieser heiligen Stelle, an der zwei Fluesse zusammenfliessen, werden Tote dem Fluss uebergeben

wunderschoene alte Gebaeude in Panauti