Dienstag, 11. September 2012

Goodbye, Geburtstag & Großputz


Am 7.9. brach unsere liebe Mit-Freiwillige Helene leider auf in Richtung Heimat. Um ihr den Abschied ein bisschen zu versüßen veranstalteten wir eine kleine Feier mit allen Hostelkids und ganz viel Essen. Nachdem sich die Kinder anfangs eher zögerlich dem Buffet näherten, merkten sich dann doch sehr schnell, dass die Nahrung nur in begrenzten Mengen vorhanden war und stürzten sich von da an, wie Heuschrecken über Grashälmchen, über unsere liebevoll gebackenen Brote, selbst-gemachten Pommes, selbst-frittierten Krabbenchips und selbst-gekauften Süßigkeiten. Erst als das begehrte Gut nur noch in kleinen Rationen ausgegeben wurde, konnte das hamstern gestoppt werden. Trotzdem sah es, als dann alles Essen zu Ende war, aus wie auf einem Schlachtfeld. Das störte jedoch bei der anschließenden Disko keinen, außer vielleicht die Sisters, die fürs Aufräumen zuständig sind.
Nachdem dann die von uns organisierte Feier vorbei war und alle offiziell ins Bett mussten wurden Helene und wir nochmal von den Kleineren eingeladen. In mühevoller Arbeit hatten sie den ganzen Tag gebacken und gekocht und bereiteten Helene einen wundervollen letzten Abend. Im Chor wurden Parolen gesungen, anschließend einzeln vorgetanzt (wo zur allgemeinen Belustigung auch die Freiwilligen und v.a. Christoph miteinbezogen wurden) und zum Abschluss überreichten alle ihre Geschenke, wo gebastelt, gemalt und die wenigen eigenen Sachen geopfert wurden.


Furpa beim Vortanzen; im Hintergrund das Pulblikum inkl. Pyjama-Bande
Am nächsten Tag hatten wir dann alle ein lächelndes und ein weinendes Auge: Helenes Abreise und Lisas Geburtstag standen an. Ein letztes Mal frühstückten wir alle zusammen mit Obstsalat und Pfannkuchen (Christoph brauchte für einen Pfannkuchen ein Ei).


auch Lisa blieb die Tortur mit den Kerzen nicht erspart ;)
Ein paar Tage später, setzten wir dann in die Tat um, was wir schon seit Wochen planten: Großputz in den Freiwilligenwohnung. Vorhänge an den Wänden wurden abgehängt, Regale ausgeräumt, geschrubbt und wieder eingeräumt, der Balkon entrümpelt, der Teppichboden gekehrt und so weiter und so fort. Man muss aber auch sagen, dass unsere vielversprechende  Aktion nicht für jeden Gutes mit sich brachte… etliche Tierchen wurden vertrieben und verloren ihr gemütliches zuhause hinter den Regalen, Stoffen und Bildern an den Wänden. Vieles wanderte in den Müll, aber wir entdeckten auch einige nützliche Dinge. Ein kleiner Schrank für unser Zimmer, die Zusatzteile für den Staubsauger, den Christoph wieder zum laufen brachte und haufenweise Altpapier, welches wir zu Geld machen können, wie man uns sagte. Auch eine kleine Holzlatte war äußerst begehrt bei unserer Köchin, da Holz ja Mangelware ist und sogar indischer Marmor billiger ist. 

Dienstag, 4. September 2012

Ein Abenteuer nach dem anderen



Vor ein paar Tagen ergriff uns nach fast fünf Wochen Pause der Klettervirus und wir beschlossen eine der zwei Kletterwände Nepals einen Besuch abzustatten. Nichtsahnend bekamen wir gratis zum Eintritt auch noch einen Einblick in die Geschichte des Alpinismus. Von über die Knöchel reichende - noch dazu sehr durchlöcherte – Kletterschuhe und Erstmodellen von Petzlgurten in allen möglichen Knallfarben, befand sich im Ausrüstungslager dieses nepalesischen Bergsportvereins auch allerhand altertümliches Sicherungsgerät, mit dem einem bei uns das Klettern in jeder Halle verboten wäre. Die Wand selbst war äußerst baufällig und die Griffe hatten auch schon einiges mitgemacht. Zuerst probierten wir die schon eingehängten Toprope-Routen aus und wollten uns dann am „Lead“- Klettern versuchen. Jedoch waren in den rostigen, teils arg verbeulten, teils nicht vorhandenen Hacken keine Echsen eingehängt. Die einheimischen Kletterer, die zu unsrem Erstaunen sehr gut waren, teilten sich zehn zusammengewürfelte Exen, die aussahen als wären sie in den frühen 70ern auf sämtlichen Achttausendern und dann in Kathmandu zurückgelassen worden. 



sieht leichter aus als es ist...

Fast genauso stark wie die Platten der Kletterwand wackelte vorige Woche in Kathmandu die Erde, was wir aber in diesem Fall nicht mitbekamen, da wir so vertieft in unser Wizard-Spiel waren. Lediglich dich Mädchen aus der dritten Etage der Hochbetten bemerkten das Beben der Stärke 5,6 und versuchten ins Freie zu flüchten, was ihnen jedoch nicht gelang, da das Tor zum Hostel bereits fest verriegelt war.

Auch vor einer weiteren Unannehmlichkeit konnten die Hostelkids nicht fliehen: Würmer. Unser überaus kompetenter Medizinmann – oder kurz Schamane – konnte jedoch bis heute nicht eindeutig bestimmen, ob es sich um Bandwurm, Pinwurm, Hackenwurm oder Rundwurm handelt. Auch die Behandlungsmethode ist recht angreifbar: Drei Tabletten mit dem wohlklingenden Namen „All Worm 400“ verteilt über 9 Monate wurden allen zwangsverordnet.
 

wir mit Sister Sorolla und unsrem Schamanen Ganesh

Um der neuen Freiwilligen Lisa den Durbar Square zu zeigen, besuchten wir diesen menschen- und diesmal auch tierüberfluteten Platz noch einmal. Obwohl wir uns alles schon einmal genau angesehen haben, entdeckten wir auch dieses Mal wieder einiges neues. In einer Seitengasse entdeckten wir einen goldenen Tempel und drehten auch einmal alle Gebetsmühlen. Schon dort fielen uns Mäuse und Ratten auf, die die heilige Stätte als ihr Zuhause auserkoren hatten und Lisa erhielt nach dem Drehen der Gebetsmühlen auch gleich eine Antwort von oben – eine Taube verfehlte mit ihrer „göttlichen Botschaft“ nur ganz knapp ihren Kopf. Vor dem königlichen Palast sammelten sich deren Artgenossen in Scharen von Tausenden und sogar ein Affe beobachtet von einem Dach aus die Touristen, die sich im Innenhof des Palastes tummelten, obwohl dieser doch eigentlich geschlossen war. In der legendären Freakstreet, wo heute lediglich noch ein paar Cannabis- und Peaceflaggen wehen, steuerten sofort ein paar Pseudo-Heilige auf uns zu und verpassten Christoph und Lisa einen Tikka, streuten ihnen Blümchen auf den Kopf und verhießen ihnen eine glückliche Zukunft. Diese Prophezeiungen widerlegten sie allerdings recht schnell, als nicht ein paar Rupie den Besitzer wechselten, und so müssen die beiden „Gesegneten“ nun leider doch einige Jahre mit schlechtem Omen über sich ergehen lassen. Besser haben es da wohl die heiligen Kühe, denen sogar die Mülltonnen umgekippt werden, damit sie sich die Reste des Gemüsemarktes auf den Zungen zergehen lassen können…



Tauben soweit das Auge reicht

rechts unten der Affe

die heiligen Viecher beim Schlemmern