Dienstag, 19. März 2013

Nur noch ein paar Tage!

Ja, nächste Woche um diese Zeit sitzen wir schon im Flieger nach Muscat...
In den letzten Tagen haben wir hier noch einiges zu tun und so viele Punkte auf der to-do-Liste abzuhaken, wie nur selten in den letzten Monaten. Natürlich wollen wir noch so viel wie möglich mit den Kindern machen, unsere bzw. eure Mitbringsel besorgen (wenn man unser Zimmer sieht, kann man sich gar nicht vorstellen, dass das ganze Zeug in drei Koffer passen soll ;)), von unseren nepalesischen Freunden wollen wir uns noch verabschieden, die Schulsachen müssen abgeschlossen werden und einmal wollen wir uns vielleicht sogar noch einmal ein kleines Abenteuer gönnen und raften gehen.Gestern haben wir uns mit Vikram, einem Nepalesen, der zwei Jahre in Deutschland studiert hat und bei uns in der Straße wohnt, Patan angeschaut. Patan ist eine Newar-Stadt, direkt neben Kathmandu und wirklich wunderschön und sehenswert. Heute haben die Kinder ihre Englisch-, Computer-, und Deutsch-Zeugnisnoten bekommen und Gott-sei-Dank wurden keine Tränen vergossen, auch wenn vielleicht der ein oder andere Test nicht so rosig war. Morgen geht es dann hoffentlich ein letztes Mal in das Touristenviertel Thamel um die letzten Dinge zu besorgen. Bestellungen müssen also bis morgen früh bei uns sein ;) Donnerstags wollten wir dann eine Rafting-Tour östlich von Kathmandu machen, haben aber auch schon ersatzweise einen Wellness-Tag geplant, falls es nichts wird. Freitag und Samstag sind dann den Kindern vorbehalten und wir werden sicher einiges einfallen lassen um die Rasselbande auf Trab zu halten. Sonntags haben wir dann ein letztes Treffen mit den Projektleitern und einen Tag vor der Abreise feiern wir nochmal eine große Abschiedsfeier im Hostel (: Es ist also noch einiges zu tun bis zur Deadline und wir genießen die restlichen Tage, in denen wir noch hier sind.
Wir können immer noch nicht glauben, dass unsere Zeit als Freiwillige in Nepal schon bald vorbei ist und die Zeit wie im Flug vergangen ist. Nie im Leben hätte wir uns vor acht Monaten vorstellen können, was wir hier alles erleben und welche Erfahrungen wir machen werden. Auch wenn wir manchmal echt die Nase voll hatten vom ewigen Stromausfall, vom unter-der-Dusche-stehen-und-plötzlich-ist-das-Wasser-weg, vom Geklopfe an unserer Tür um halb sieben morgens oder es einfach nur satt hatten, jeden Tag zweimal Reis mit Gemüse zu essen, merkt man erst jetzt wie sehr einem Nepal und vor allem die Kinder ans Herz gewachsen sind. Auch wenn wir nicht großartig das Land verändern konnten, bereuen wir es auf keinen Fall nach Nepal gekommen sein. Allein, dass die Kinder ein paar Stunden mehr Spaß hatten, ein paar Mal öfter gelacht haben oder einfach nur stolz auf sich selbst waren, weil man ihnen beim lernen geholfen hat, war es wert diesen Schritt zu machen. Zu sehen, dass man selbst schon jetzt ein bisschen traurig sind, wenn man an den Abflug in einer Woche denkt, zeigt, dass auf jeden Fall die Momente, in denen man alles um sich herum genossen hat, gegenüber denen überwiegen, in denen man einfach nur daheim in Deutschland sein wollte. Und auch dass die Kinder fast Tränen in den Augen haben, wenn man sagt, dass man bald weg ist, macht uns schon ein bisschen stolz und man hat das Gefühl zumindest den Kinder was mit auf den Weg gegeben zu haben bzw. eine schöne Zeit zusammen gehabt zu haben. Natürlich wird uns hier viel fehlen und wir können es uns immer noch nicht so recht vorstellen, bald wieder mit gutem Gewissen im Überfluss zu leben, aber wir freuen uns schon riesig bald wieder zurück zu sein und Ostern daheim zu feiern.

Hier noch ein paar Bilder aus der letzen Zeit:


Patan Dubar Square: Ali, Vikram, Lisa und Laura

Lisa und Laura

der Vishvanath-Shiva-Tempel



öffentlicher Waschplatz in Patan

Christoph im UKG, dem Kindergarten

Sutit; im Hintergrund baut Christoph "Winkinger-Schach" auf

das große Wikinger-Schach-Battle ;)

mit vollem Eifer dabei (:

Strommastenklettern

Ali und Christoph liehen sich alte Drahtesel aus um damit die neue Freiwillige vom Flughafen abzuholen: nach nicht mal 500m riss die Kette ;)

Um den Baby-Straßenköter wird sich auch liebevoll gesorgt: täglich bekommt er seine Portion Reis und auch ein Dach über dem Kopf hat er

Mittwoch, 13. März 2013

Probier´s mal mit Gemütlichkeit

Direkt von Pokhara machten Ali, Lisa und wir uns auf den Weg zum Nationalpark Chitwan. Dort angekommen empfing uns eine schwüle Hitze und eine Horde Nepalis, die uns alle in „ihr“ Hotel abschleppen wollten… Da der Buspark mitten in der Pampa lag und wir uns nicht anders zu helfen wussten, sprangen wir also kurzerhand auf die Ladefläche eines Pickups und fanden uns kurz darauf in einer schäbigen Bungalow-Anlage noch weiter ab Schuss wieder. Nachdem wir uns auf die Suche nach dem wirklichen Ortskern gemacht, ein etwas netteres Hotel gefunden und unser komplettes Gepäck dorthin verfrachtet hatten, erholten wir uns erst einmal von den ungewohnten Temperaturen und den Strapazen des Tages. Am Ufer des Flusses, der den Ort Sauraha vom Nationalpark abgrenzt, befanden sich einige Bars und Liegestühle und man hätte fast meinen können, man sei an irgendeinem Karibik-Strand gelandet.


der "Stand" von Sauraha ;)
Für den nächsten Tag hatten wir eine Dschungel-Safari geplant und so ging es schon früh morgens mit einem äußerst wackeligen Kanu bzw. ausgehöhlten Baumstamm flussabwärts in unbesiedeltes Gebiet. Neben uns wir und unseren zwei Dschungel-Führern befanden sich außerdem noch ein Kanadier und dessen zwei Guides im selben Boot. Aufgrund der Tatsache, dass diese drei eine rege Unterhaltung über die Flora und Fauna Nepals (und Kanadas) führten und unsere Experten stumm wie die Fische im Wasser waren, befürchteten wir schon, dass unsere Führer kein allzu großes Interesse zeigen würden, uns ihr Wissen über den Dschungel zu offenbaren. Doch da hatten wir uns gewaltig getäuscht. Schnell stellten wir fest, dass sich unser Hauptführer als hervorragender Lauscher und Späher entpuppt. So hatten wir das Glück schon nach zehn Minuten Marsch ein fettes Krokodil aus nächster Nähe bestaunen zu können. Trotz der drei Labertaschen im Schlepptau, die sich unserem Führer einfach angeschlossen hatten, erblickte dieser auch nur wenig später ein Koloss von Nashorn. Da wir alle durch die Sicherheitsanweisungen ein kleines bisschen eingeschüchtert waren und schon nach dem nächsten bekletterbarem Baum Ausschau  hielten, checkte der Guide erst einmal die Lage und holte uns dann immer näher, bis auf wenige Meter, an das gigantische Tier, das sich gemütlich im Fluss badete, heran. Nachdem wir es einige Zeit beobachtet hatten und es dann irgendwann im Grasland verschwand, machten wir am Ufer des Flusses eine kurze Pause. Da wir ganz in der Nähe schon Tatzenabdrücke von Tigern und Leoparden gesichtet hatten, waren die Führer und wir plötzlich in heller Aufregung, als wir ein relativ lautes Knurren hörten. Nicht so der Kanadier. Dieser frühstückte fröhlich, mit dem Rücken zu der Richtung, aus der das Geräusch kam, weiter. Leider bzw. glücklicherweise zeigte sich die Raubkatze dann doch nicht und wir setzten unseren Weg durch das Gebüsch weiter fort. Wir marschierten und marschierten, aber außer Affen, unzähligen Vögeln, Storchen, Pfauen, noch mehr Krokodilen und einem weiteren Nashorn, das nicht ganz so gemütlich herumplanschte und zumindest Lisa und Laura nicht so ganz geheuer war, sahen wir leider kein anderes „gefährliches“ Tier mehr. Wir vermuten ja, dass zum einen die kanadische Labertasche, zum anderen Christoph, der durch einen rot-blau gestreiften Pulli und eine leuchtgrüne Hose „getarnt“ war und ohne seine Füße nur ein bisschen anzuheben durch das Geäst trampelte, der Grund dafür sein könnte. Trotzdem (wenn man das überhaupt so sagen kann) war der Tag ein riesen Highlight und als wir fix und fertig und übelst dreckig und verschwitzt abends im Hotel ankamen, wollten wir nicht mehr recht viel mehr machen, als und die Schmutzschichten vom Körper abzuschrubben und etwas zu essen. Unser Abenteuer im Dschungel werden wir auf jeden Fall noch einige Zeit im Gedächtnis behalten.


Auf der Bootsfahrt hatten wir ständig neue Tiere...

...und manchmal auch Einheimische vor der Linse.

unser Lauscher und Späher (:

Nach wenigen Minuten gehen standen wir mitten im Dschungel!

unser erstes großes Highlight

kurz darauf: das Rhino =)

Nachdem es mit dem Baden fertig war, zeigte es sich in seiner vollen Größe.

Mit so einem Kanu wurden wir über den Fluss geschippert :)
Die morgendliche Dusche am nächsten Tag verlief etwas anders als wir es alle gewohnt sind… Auf dem Rücken eines Elefanten sitzend, wurden wir von dem Dickhäuter zeitweise abgespritzt und dann ins kalte Flusswasser abgeworfen. Froh, diese Erfahrung gemacht zu haben, begaben wir uns auf die Suche, nach einem Fahrradverleih. Als wir dann am Nachmittag mit wahlweise kunterbuntem Oma-Rad bzw. uraltem Drahtesel bei strahlendem Sonnenschein aus dem Touristenort in Richtung Wald fuhren, sahen wir das richtige Dorfleben im Süden Nepals. Die Leute leben dort wirklich noch mit Tieren zusammen in niedrigen Lehmhütten mit Strohdach und man hatte das Gefühl in der Wüste Afrikas zu sein. Als die Wege dann immer schlechter wurden, drehten Laura und Lisa um und radelten zu einer Elefantenfarm. Christoph und Ali setzten ihren Weg weiter Richtung 20000 Lakes – vielen kleinen Seen mitten im Dschungel – fort. Am Abend deckten wir uns dann noch mit ein paar kleinen Mitbringseln ein und buchten unsere Bustickets zurück nach Kathmandu. Dort empfing uns am nächsten Tag dann eine Horde übermütiger Kinder, die seit einige Tagen keinen Unterricht mehr hatten, da Nepal wieder einmal streikt (warum auch immer ;)).


Ali, der sich als Erster auf den Dickhäuter traute

danach wurden dann wir anderen drei abgespritzt :)

auf der Elefantenfarm

Die Elefanten wurden sogar gefüttert, weil sie so tollpatschig waren und es nur selten geschafft haben, dass Essen bis zum Mund hochzuheben ;)

Mensch und Tier durchqueren den Fluss

das Dorfleben

und nochmal; diesmal fast schon eine Villa;)

Lisa mit ihrem coolen Omarad (:

Montag, 11. März 2013

Trekking – die Zweite

Nachdem wir die letzten Wochen nach unserem Indien-Trip mit unseren „normalen“ Freiwilligen-aufgaben, wie Unterricht, Test-Vorbereitungen und Spielestunden verbracht haben, wurde unsere idyllische Dreier-WG nochmals von neuen „Freiwilligen“, die teilweise äußerst spontan aufkreuzten, aufgewirbelt. Nach ein paar Tagen zugespitzter Stimmung und etlichen Mann-gegen-Männer-Auseinandersetzungen, landete dann, der bei Christoph schon sehnlich herbeigewünschte Besuch aus Deutschland in Nepal. Ali war da – und mit ihm eine riesen Ladung Süßigkeiten, über die wir uns gleich hermachten.

Nach zwei Tagen machten Ali und wir uns dann auch schon auf den Weg nach Pokhara (die zweitgrößte Stadt ungefähr 200 Kilometer westlich von Kathmandu) um dort unser zweites Trekking in Nepal zu starten. Ganz im Gegensatz zur Busfahrt in die Everest-Region, verlief diesmal alles äußerst unkompliziert und komfortabel – dank den Privilegien eines Touristenbusses, in dem keine Sitze zweimal reserviert wurden und niemand auf dem Dach sitzen musste. In Pokhara angekommen konnten wir erst einmal gar nicht glauben, dass wir überhaupt noch in Nepal waren. Die Stadt war viel sauberer, die Hotels besser und die Restaurants leckerer und vielfältiger. Und der Extra-Urlaubs-Feeling-Bonus war natürlich der See, von dem man einen perfekten Blick auf die nur wenig entfernten 8000er hatte.
In den nächsten zwei Tagen erledigten wir Dinge, wie Schlafsack aufleihen und Trekking-Permits besorgen und dann brachen wir mit dick gepackten Rucksäcken auch schon auf in die höheren Lagen Nepals. Mit dem Taxi ließen wir uns ca. eine halbe Stunde zum Startpunkt des Treks chauffieren. Nicht so wie beim Everst-Trek, wo wir ab einer bestimmten Höhe nur zwei bis drei Stunden pro Tag gingen, um die „pro Tag nur 400 Höhenmeter-Grenze“ nicht zu überschreiten, konnten wir hier drei Tage lag von früh morgens bis abends marschieren. Am vierten Tag wurde Christoph dann plötzlich so krank, dass wir es nur mit Müh und Not zum nächsten Dorf schafften und dort eine Zwangspause einlegen mussten. Gott-sei-Dank waren wir aber schon so weit oben, dass wir die Himalaya-Riesen sozusagen direkt vor der Haustüre liegen hatten. Die Tage davor waren wir nämlich durch dicht bewachsenes und äußerst feuchtes Gebiet gelaufen, das schon fast einem Dschungel glich. Am nächsten Morgen mussten wir dann sehr früh aus den Federn (die -40°-Super-Down-Schlafsack vom letzten Mal hat man nicht zwar nicht gebraucht und auch das Wasser in den Trinkflaschen ist über nach nicht gefroren, aber teilweise war es doch schon „recht kalt“), da wir ein lawinengefährdetes Gebiet durchqueren mussten. Da an diesem Tag Laura ein bisschen schwächelte machten wir sobald wir am Machapurche-Basecamp angekommen waren eine kleine Bohnaza-Pause und luden unsere Rucksäcke ab. Als wir dann mittags über ein einziges riesiges Schneefeld zum Annapurna-Basecamp auf 4130m wanderten, bekam Laura einen so heftigen Sonnenbrand, sodass ihr noch Tage danach mitleidige Blicke zugeworfen wurden. Oben angekommen waren wir wirklich überrascht von der unglaublichen Schönheit der Bergwelt in Nepal… Einfach alles war bedeckt von Schnee und wir rätselten bei jeden zweiten Berg, von welcher Seite man den nur besteigen könnte und ob es überhaupt möglich war. Ab Abend riefen wir dann noch Lisa an um ihr mitzuteilen, dass wir schon in zwei Tagen wieder in Pokhara seien. Genauso wie wahrscheinlich wir, war sie überrascht, dass wir so schnell waren und das Abenteuer Trekking schon fast wieder vorüber war. Die nächsten eineinhalb Tage waren dann dem Abstieg und einem kleinen Highlight vorbehalten: Am Morgen unseres letzten Trekkingtages machten wir einen kleinen Abstecher zu einer heißen Quelle und planschten dort ein bisschen herum (Ali und Christoph im eisig kalten Flusswasser, Laura im 30° warmen Quellwasser).

Als wir dann nach einer holprigen Busfahrt wieder in Pokhara ankamen, erwartet uns Lisa schon im Hotel. Wieder zu viert genossen wir die nächsten drei Tage in Pokhara und kamen uns vor wie auf einer Kur vom teilweise doch anstrengenden Freiwilligen-Dasein in Kathmandu. Obwohl wir keine großen Unternehmungen vorhatten, fiel es uns erstaunlich leicht die Tage zu füllen – sei es mit lesen, spielen, Boot fahren oder einfach nur durch die Straßen zu laufen. Ein Special für Lisa und Laura war noch die Massage von blinden Therapeuten von „Seeing Hands Nepal“, die wir jedem, der irgendwann nach Nepal kommen sollte nur äußerst empfehlen können!




so sah´s am Anfang des Treks aus

Ali auf der Hängebrücke

eines morgens war dann plötzlich alles eingezuckert :)

... und wir mussten durchs Lawinengebiet ;)

Im Annapurna-Kessel angekommen...

... sahen wir dann nicht außer Schnee und Berge :)


Christoph hat´s geschafft!

und Laura auch (:

der Annapurna 1

eine Gruppe von 80 Südkoreanern

der Machpuchre bzw. Fishtail

Wohin die Reise dann weiter führte, erfahrt ihr in ein paar Tagen hier ;)

Montag, 14. Januar 2013

Zwei Wochen Indien-Abenteuer: das Taj, Kamele, Forts und vieles mehr

Am 27.12. startete unsere ungewollte Indienreise. Ungewollt deswegen, weil wir unser 150-Tage Visum für 2012 in Nepal überschritten hatten und ausreisen mussten. Spät abends kamen wir also am Flughafen von Delhi an und staunten zum einen über die Größe und zum anderen über das moderne Design, was wir von Nepal gar nicht mehr gewohnt waren. Gleich am nächsten Morgen auf der Suche nach einem Bankautomaten, stellten wir fest, dass Indien allgemein ein bisschen „extremer“ als Nepal ist. Auf dem Weg zu einer Bank wurden wir von mehreren Indern belagert, die uns alle helfen wollten einen ATM zu finden. Als wir ihre Hilfe ablehnten, folgten sie uns im Schlepptau und wollten uns davon abhalten den nächsten Geldautomaten zu benutzen (warum auch immer). Mit indischen Rupien ausgestattet, begaben wir uns auf den Weg zum Sightseeing und machten davor noch einen Abstecher zu McDonalds. Ahnungslos aßen wir die exotischen Burger, wollten dann schon fast wieder gehen, als wir Geschrei in der Küche hörten. Wir trauten unseren Augen kaum, als wir ein Prachtexemplar von Ratte durch die Küche huschen sahen. Die Angestellten versuchten halbherzig die Riesenratte zu jagen und grinsten uns dabei fröhlich an. Nach dem Besuch des nicht allzu spektakulären Roten Forts, da ein wenig heruntergekommen, ließen wir uns mir einer Fahrradrikscha durch die Gassen von Old Delhi zu der Jama Masjid strampeln. Dort erwarteten uns am Tor aufdringliche Ticket-Verkäufer, die 300 Rupien haben wollten. Wir lasen allerdings nirgendwo etwas von einer Eintrittsgebühr, lediglich eine Kameragebühr war an einer Infotafel angeschrieben. Auch der Tipp eines Einheimischen es an einem anderen Tor zu versuchen, half nichts. Ein bisschen erstaunt, ein bisschen beleidigt und ein bisschen wütend schaute uns der Ticket-Verkäufer an, als wir einzeln nacheinander das Gelände ohne Kamera betraten. Den krassen Unterschied zwischen arm und reich bekam man vor allem am Connaught Place, wo bitterarme Bettler vor Shops internationaler Luxusmarken um Almosen baten, zu spüren. Auf dem Rückweg zur Unterkunft passierte Christoph ein unerwartetes Malheur. Ein Aufpasser in der Metro Station fuchtelte wild mit den Armen und beschwerte sich als Christoph im letzten Moment hinter Laura in die U-Bahn schlüpfen konnte. Seines gerade begangenen Vergehens nicht bewusst, drehte sich Christoph um und blickte in die entsetzten Gesichter von ca. 50 indischen Frauen. Wir waren im Frauenabteil gelandet – und das zwei Wochen nach dem brutalen Übergriff auf eine junge Frau. Schnell wechselten wir ins nächste Abteil… Im Glauben an diesen Tag schon genug erlebt zu haben, machten wir es und gemütlich, lasen noch ein bisschen und waren dann schon kurz vorm Einschlafen, als pünktlich um 22 Uhr der hauseigene 120 Dezibel Generator ansprang. Als Laura dann nach einer halben Stunde die Ohrenstöpsel aus dem Rucksack holte und sich vergewisserte, dass der Generator wirklich nicht direkt vor unserer Tür stand, hörte das Gelärm zum Glück wieder auf.



endlich mal wieder ein richtiger Flughafen ;)

das Red Fort in Delhi

der Eingang zum Fort

Den nächsten Vormittag verbrachten wir in einer 100m-Warteschlange im Tourist-Office bei der Bahn. Wir dachten eigentlich, dass Nepal in Sachen ineffizienter Bürokratie unschlagbar sei, aber als wir in diesen Stunden Platz um Platz weiterrückten, wurde uns bewusst, das Nepal auch in diesem Punkt nur der kleine Bruder Indiens ist. Anbei bemerkt führte die Prozedur dann zu einem Ticket für einen Zug, der dann am nächsten Tag ausfiel. Nach dieser Strapaze starteten wir dann unser Sightseeing zum Lotus-Tempel, der DAS Fotomotiv schlecht hin ist. Nur blöd, dass der Akku der Kamera noch im Hostel weiter vor sich hin lud. Anstatt Fotos zu machen rätselten wir deswegen, ob die Bahai-Religion, die diesen Tempel erbaut hatte, eine „tolerante Weltreligion“ (Reiseführer) oder eine „krasse Sekte“ (Christoph) sein – mächtig Pulver hatten sie auf jeden Fall. Danach gings weiter zum Grabmal des Humayun, das uns sehr gut gefallen hat. Davor hatten wir uns in einem Supermarkt reichlich mit Essen eingedeckt und konnten in dem wunderschönen Park zusammen mit unzähligen Eichhörnchen picknicken. Glücklicherweise konnten wir uns von zwei netten Schweizerinnen einen Akku borgen und die nächsten zehn Minuten wir Paparazzos durch das Gelände flitzen.

Humayuns Grabmahl



der schöne Park, in dem wir gepicknickt haben
In aller Früh am nächsten Morgen sollte es mit dem besagten Zug nach Agra gehen. Als jedoch feststand, dass der  Zug ausfallen würde, schlossen wir uns kurzer Hand einer Reisegruppe an, die den Bus nach Agra nahm. Für den zwölffachen Preis war ein kleines Abenteuer mitten auf der Autobahn sogar inklusive. Bei voller Fahrt platze uns ein Reifen – die routinierten Inder behoben das Problemchen allerdings recht schnell und so gings nach zehn Minuten wieder weiter. In Agra angekommen verbrachten wir den Rest des Tages mit der Suche nach einer Bleibe, mit dem Ergebnis, dass wir in einer überteuerten Absteige im Bahnhofsviertel unterkamen. Der nächste Tag entschädigte dafür umso mehr. Zuerst schauten wir uns das Agra Fort an, dass wesentlich schöner als das Rote Fort in Delhi ist, und der Tag ging noch besser weiter, als wir in ein super und nach dazu günstiges Hotel direkt neben dem Taj Mahal umzogen. Der Höhepunkt des Tages war dann das Taj Mahal, das unglaublich beeindruckend war, trotz angeblich 80000 Touristen pro Tag. So gefällt uns Indien Urlaub deutlich besser (: Unser Silvester war jedoch eher mau, da in Agra nicht allzu viel los war und wir nach einem guten Abendessen und einem netten Schwätzchen mit anderen Indien-Reisenden es nicht bis um zwölf durchhielten. Gleich am ersten Tag des neuen Jahres ließen wir uns von einem 60-Jährigen Opa für einen Spottpreis mit einer Fahrradrikscha zum Baby Taj kutschieren. Wir dachten wir nehmen der Umwelt und den sehr armen Radlern zuliebe die Fahrradrikscha anstatt eines Tuktuks. Bei einem Anstieg bekamen wir dann doch Mitleid mit dem betagten Fahrer und stiegen zur Verwunderung dieses und der anderen Verkehrsteilnehmer ab. Das Baby Taj besticht, wie der Name schon sagt, nicht durch seine Größe sondern eher durcjh die schönen Verzierungen und die ruhige und friedliche Atmosphäre, was man vom restlichen Agra (insbesondere dem schäbigen Bahnhofsviertel) nicht gerade behaupten kann.


das Agra Fort von außen






den Tieren hats hier auch gefallen


das Taj Mahal...

... mit seinen Besuchermassen

mit der Rikscha gings zum Baby Taj


Laura ganz groß neben dem Baby Taj

der Innenraum



Mit dem Express-Zug  ging es am Abend dann noch nach Jaipur. Überraschend komfortabel und bestens verpflegt düsten wir vorbei an unzähligen, ungenierten, an den Bahngleisen ihr Geschäft verrichtenden Indern in Richtung Rajasthan. Dort angekommen landeten wir leider wieder in einer Absteige, die jedoch wenigstens preiswert war. Nun war wieder Hotelwechsel angesagt. Mit dem Erfolg, dass wir in einem äußerst schicken Hotel mit sehr fairen Preisen landeten. Zufrieden ließen wir uns von einem Tuktuk-Fahrer zum etwas außerhalb von Jaipur liegenden Amber Fort fahren. Beim Anblick dieser gigantischen Festung vor roter Sandsteinlandschaft hatten wir zum ersten Mal das Gefühl richtig im Orient angekommen zu sein. Mit seinen hunderten Zimmern, Kämmerchen und Haremsanbauten war der Palast ein riesiges Labyrinth mit dem Flair von 1001 Nacht. Vorbei an Touristen schleppenden Elefanten, bepackten Kamelen und herumturnenden „Lang-Schwanz-Affen“ schleppten wir uns in der Nachmittagshitze bergauf zum eigentlichen Fort, von dem man einen super Ausblick auf die gesamte Umgebung hatte. Die Stadtmitte inklusive dem City Palace nahmen wir uns am nächsten Vormittag vor. Auch hier war der Prunk der im Überfluss lebenden Maharadjas allgegenwärtig. 


der Bernsteinpalast bzw. das Amber Fort

nein, das ist nicht die chinesische Mauer ;)

passt der durch?!


ein Garten mitten im See



Affen soweit das Auge reicht


das Amber Fort von oben

der Palast der tausend Fenster

der auch heute noch bewohnte City Palace

das größte Silbergefäß der Welt

Mit einem ganz anderen Indien wurden wir kurz darauf im Schlafabteil des Zuges nach Jodhpur konfrontiert. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase konnten wir es uns gemütlich machen und so verflog die Fahrtzeit plus obligatorischer Verspätung im Nu. Am nächsten Tag entwickelte sich ein richtiges Wüstenfeeling und wir fühlten uns noch mehr wie im Orient. Den Tag begannen wir zur Abwechslung diesmal mit dem Merangahr Fort ;) Wir haben zwar bis dahin schon viele Forts gesehen, aber das Fort in Jodhpur entpuppte sich als besonders prunkvoll und interessant. Frei nach dem Motto „zoid is zoid“ ließen wir uns gute zwei Stunden vom Audioguide berieseln und genossen danach noch vom nahegelegenen Marmortempel den blick auf die imposante Festung und die darunterliegende „blaue Stadt“, in deren Gewimmel wir kurz darauf eintauchten. Auf dem quirligen Marktplatz wurde gefeilscht was das Zeug hält und versucht die Konkurrenz durch lautes Schreien auszustechen. Ein Lassi- und ein Omelette-Shop hatten es da schon leichter. Sie mussten lediglich ein Schild mit der Aufschrift „highly recommended by lonley planet“ anbringen und die Rupien wechselten im Sekundentakt den Besitzer. Der Hype um den legendären Omelette-Man, der sogar einen halbseitigen SZ-Artikel einheimste, war besonders groß und so erzählte er uns, dass er am Tag 1500 Eier zu Omelettes verbrät. 


"gebaut von Engeln und Riesen" (laut Audioguide)



einer der vielen Prunkräume


Blick auf die blaue Stadt


der Marmorpalast


der Clocktower und das rege Markttreiben

der Omelette-Man hat sein Tagespensum noch nicht vollbracht
Am nächsten Morgen fuhren wir dann nach Jaisalmer, das mitten in der Wüste liegt und schon fast an Pakistan grenzt. Dort angekommen besuchten wir unser fünftes Fort und waren ganz überrascht, dass hier die Festung bewohnt war und überall reges Treiben herrschte. Da allein schon die verwinkelten Gassen viel Sehenswertes boten, sparten wir uns den Museumseintritt und investierten stattdessen unsere Rupien in einen guten „Italiener“ rajasthanischer Abstammung. Der Wüstenblick und das leckere Essen haben es uns so angetan, dass wir uns am nächsten Tag dort für die bevorstehende Kamelsafari stärkten.  


das Fort in Jaisalmer





beim Lieblings-Italiener auf der Dachterrasse...

... mit seiner schönen Aussicht


Die Kamelsafari erwies sich trotz anfänglicher Skepsis seitens Christophs („Damals in Tunesien wurde eine gewisse Anna R. dauernd von Kamelen gebissen“) als ganz besonderes Highlight unserer Reise. Zuerst bretterten wir mit unserem Jeep Richtung Sanddünen und wurden dann mitten im Nirgendwo abgesetzt. Dort erwarteten uns die zwei Kamele Mr India und Michael Jackson, auf die wir auch gleich aufsatteln durften. Gemächlich trotteten wo also in Richtung Sanddünen, wo wir den Kamelen eine kleine Pause gönnten und den riesigen Sandkasten zu Fuß erkundeten. Nachdem wir den Sonnenuntergang beobachtet hatten rasten wir mit dem Jeep und Allradantrieb durch den Sand zurück nach Jaisalmer.


Michael Jackson und Mr India

mitten in der Wüste

Lauras Poser-Kamel zum ersten...

... und zum zweiten



unsere Karawane

der Sonnenuntergang

Die Reise zu unserer letzten Station traten wir mit dem Bus an. Ein besonders dreister Inder meinte sich mit Christoph den Sitzplatz teilen zu müssen, drückte sich einfach ohne zu fragen noch mit in die Bank und gab dann vor kein Englisch zu verstehen. Doch auch den anderen Indern wurde das zu bunt und so konnten wir den Eindringling wieder verscheuchen. In Bikaner angekommen zogen wir in einen indischen Haushalt ein, der vier Zimmer zur Untermiete anbot. Den Grund warum ein weltbekannter Reiseführer das Shanti House empfiehlt ist uns bis heute noch ein Rätsel. Obwohl die Familie wirklich nett war und uns bei vielen Sachen geholfen hat, verübeln wir es ihr, dass ein ca. 13-jähriger Haussklave angestellt war. In Bikaner besuchten wir an diesem Tag noch eine Miniatur-Malerwerkstatt, in der auch das kleinste Gemälde mit den meisten Details der Welt gepinselt wurde. Laura bekam auch eine kleine Kostprobe, die allerdings nicht lange hielt, auf ihren Fingernagel gezeichnet. Nach dieser Vorführung machten wir uns auf den Weg zu einer Kamelfarm, auf der über 300 Kamele zuhause waren, und probierten dort unsere erste Kamelmilch. Wir müssen jedoch zugeben, dass wir die Rohmilch verschmähten und uns für die pasteurisierte Variante entschieden, welche zwar ganz anderes als Kuhmilch aber trotzdem einigermaßen gut (Laura) bzw. schlecht (Christoph) war. Am nächsten Morgen stand wieder ein Fort auf dem Programm. Dann kam eigentliche Highlight des Tages: der Rattentempel. An diesem heiligen Ort wimmelte es gerade nur so von Ratten, die als Götter verehrt und deswegen gefüttert werden. Den Tempel durfte man nur barfuß betreten und so musste man wohl oder übel über den Rattenkot und alle möglichen Futterreste laufen. Warum einige Inder den Boden auch noch abknutschten, war uns unerklärlich.
An unserem vorletzten Reisetag fuhren wir mit dem Zug zurück nach Delhi und sahen diesmal nach der Ankunft im Touristenviertel Paranganj dieses mit ganz anderen Augen als noch vor zwei Wochen. Anfangs stark genervt von den aufdringlichen Verkäufern, ignorierten wir sie dieses Mal einfach und sie ließen sofort von uns ab. Dass unsere Indienreise doch noch so schön werden und so viele Eindrücke hinterlassen würde, hätten wir nie gedacht und wir werden sie so schnell nicht vergessen. Im Flieger nach Nepal freuten wir uns aber trotzdem schon riesig auf „unser Zuhause in Kathmandu“ (:


Miniatur-Malerei

das Fort in Bikaner

ein Prachtexemplar von Basilikum



der Rattentempel...

... mit seinen kleinen Göttern